Dunedin: Raffaela berichtet von der Logan Park High School - Dunedin (Südinsel / Neuseeland)
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Hallo, ich bin Raffaela. Herbst letzten Jahres verbrachte ich in Neuseeland und es war einfach fantastisch. Meine „home town“ war Dunedin, die tollste Stadt der ganzen Insel. Dort ist es nämlich weder zu kalt noch zu warm – etwas wärmer als in Deutschland -, es liegt direkt am Meer, und ebenfalls direkt neben einer Hügelkette, wo ich auch öfter wandern war. Die Leute dort sind nett und freundlich und von der Größe her hat die Stadt auch perfekt gepasst: Zu klein um sich zu verlaufen und zu groß um Langweile haben zu müssen.

Alles begann im Winter, als meine Mutter mich auf die Idee brachte, ins Ausland zu gehen, und ich war sofort Feuer und Flamme. Obwohl mich zu Anfang die Riesenmenge an auszufüllenden Formularen, Bestätigungen und Lebensläufen etwas erschreckte, war es eigentlich gar nicht so schlimm. Als ich mir alles der Reihe nach vornahm, das Vorstellungsgespräch ohne Probleme hinter mich gebracht hatte, saß ich schon, eh ich’s mich versah, im Flugzeug zum anderen Ende der Welt.

Meinen Freunden in der Schule hatte ich nicht gesagt, wann ich genau abfliegen würde. Ich mag Abschiede nicht, trotzdem hatte ich ein paar Wochen zuvor noch eine große Party veranstaltet und alle eingeladen. Als ich dann vom Flugzeugfenster aus das Meer unter mir sah, fragte ich mich, ob wohl alles genau so sein würde wenn ich zurückkomme.

Doch als der Flieger dann in Wellington landete, waren alle wehmütigen Gedanken wie weggeblasen. Dort blieb ich dann eine Woche bei einem älteren Ehepaar, dessen Kinder schon erwachsen waren, zusammen mit 3 anderen. In dieser Woche wurde uns vieles über neuseeländische Kultur und Lebensweise erzählt, und was mir noch am besten im Gedächtnis davon hängen geblieben ist, sind die ofenfrischen Cookies von MaHiggins, die besten auf der Welt!

Nach dieser Einführungswoche ging es dann mit dem Flieger weiter zu meinem Hauptziel, Dunedin, dort, wo ich bei einer fremden Familie, in einem fremden Land, in einer fremden Schule und einer fremden Sprache die nächsten 6 Monate meines Lebens verbringen sollte – so dachte ich zumindest am Anfang. Doch es dauerte genau eine Stunde, da hatte ich mich schon eingewöhnt. Da saß ich nämlich mit meinen beiden Gasteltern, einem jungen, nettem Pärchen, im Auto, und wir fuhren auf einer „Scenic Route“ vom Flughafen in die Stadt und unterhielten uns ohne Probleme auf Englisch. Sie waren mir schon beim ersten Sehen sympathisch gewesen und bald waren wir auch die besten Freunde. Sie war in Frankreich geboren, und machte jetzt an der Universität in Dunedin ihren Doktortitel; er war aus England und Lehrer an meiner Schule, und – wie sich später herausstellte – einer der beliebtesten. Mit meiner Gastfamilie hatte ich wirklich viel Glück gehabt.

Schule in Neuseeland ist leicht und der ideale Ort um Freunde zu finden und Spaß zu haben. Obwohl sie bis in den Nachmittag andauert, hat man nur 5 Stunden mit vielen Pausen. Meine Schule, Logan Park High School, liegt etwas abseits der Stadt zwischen Hügeln. Ich ging freiwillig zu Fuß hin, eine Stunde Laufzeit, anstatt den Bus zu nehmen. Aber wenn das Wetter gut genug war, nahm mich mein Gastvater auch auf seinem Motorrad mit (seitdem will ich auch selber meinen Motorradführerschein machen – es ist ein sagenhaftes Gefühl).

Natürlich hatte ich auch eine Schuluniform, wie überall in Neuseeland. Zuvor war ich eigentlich gegen sie gewesen, aber inzwischen habe ich meine Meinung darüber geändert, und vermisse sie auch ab und zu back in Germany. Nur meine Schuljacke habe ich gekauft und mitgenommen, und trage sie immer noch fast jeden Tag in die Schule.

Die Fächer durfte ich mir wählen, allerdings musste ich Englisch nehmen.

Englisch war das Fach, das noch am ehesten dem deutschen Unterricht ähnelten. Dort nervte mich das ziemlich an, aber jetzt bin ich froh darüber, da ich nur dadurch es jetzt ohne Probleme schaffen werde, mein schriftliches Abitur in Englisch zu machen. Immerhin brachte ich es dort auch auf Excellent, die beste Note.

Mathe und Physik waren wirklich interessant, wenngleich auch beide eher vom sozialen Aspekt her...in diesen beiden Kursen hatte ich am meisten Freunde, vor allem weil ich dort am meisten laberte. Und weil der Unterricht im Vergleich zu unserem relativ einfach ist, bekam ich auch trotzdem noch gute Noten.

Mein unangefochtenes Lieblingsfach war Metal Works. Dort merkte ich zum ersten Mal, dass mich die anderen nicht mit offenen Armen empfingen, allesamt zu schüchtern.  Schließlich ist es auch etwas Besonderes, wenn in eine ehemalige Jungenklasse plötzlich eine weibliche Austauschschülerin dazukommt. Aber es war faszinierend, wie zuvorkommend und charmant Jungen in so einer Situation plötzlich werden. Doch nach einiger Zeit gewöhnten sich alle an mich, und ich mich an die ganzen tollen Möglichkeiten, die man in einer Metallwerkstatt hat. Ich stellte drei große Projekte fertig, einen Kerzenständer, ein Schlüsselbord für meine Gastmutter und eine Rose auf einem kleinen Ständer, an deren Dornen ich jetzt mein Ringe und Ohrstecher aufhänge.

Außerdem hatte ich auch noch Kunst und Media Studies, war einige Zeit im Hockeyteam der Schule und im Kletterteam, im Orchester und nahm zusätzlichen Klarinettenunterricht bei einem der Musiklehrer.

Neben der Schule trat ich außerdem den Pfadfindern bei, mit denen meine Gastmutter auch Kontakt hatte. In mehreren Camps und Ausflügen mit ihnen verbrachte ich eine unvergessliche Zeit und kam dort auch mit einem Jungen zusammen. Leider zerbrach die Beziehung einige Monate nachdem ich nach Deutschland zurückgekehrt war.

Ansonsten verbrachte ich ein paar wirklich schöne Tage auf Schulausflüge, mit Freunden in der Stadt und auf Partys, am Strand und beim Klettern und Mountain Biken mit meinen Gasteltern. Ein besonderes Erlebnis war auch der „Formal“, der Schulball.

Zu Weihnachten kam dann meine restliche Familie nach Neuseeland nach, und wir reisten für ca. zwei Monate quer durch die gesamte Südinsel, Queenstown, Milford Sound, Invercargill und Wanaka, machten eine 4-tägige Tour in den Greenstone Valleys und den Caples, Kayaken in Doubtful Sound, Fallschirmspringen, und Neujahr in Christchurch, wo ich in einem Geschäft zufällig eine Freundin von mir von den Pfadfindern traf!!!

Und überall zugegen waren natürlich auch die Schafe, auf jeder freien grünen Wiese. Hier zurück in Deutschland schaue ich immer noch manchmal auf die Hügel (sofern welche vorhanden sind) und vermisse die vielen weißen Punkte überall. Aber auch die schönste Zeit geht irgendwann einmal vorüber, und ich werde es nie vergessen, denn es wird für immer eine meiner schönsten Erinnerungen bleiben. Neuseeland hat mich auch sehr verändert, zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Ich bin stolz drauf, ein Kiwi gewesen sein zu dürfen!

 

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